Die Dreigroschenoper in Marktoberdorf

Die Dreigroschenoper – Zeitlose Gesellschaftskritik des Freien Landestheaters Bayern

„Und der Haifisch, der hat Zähne …“ Mit dieser berühmten Moritat beginnt eines der prägendsten Theaterwerke des 20. Jahrhunderts: Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht, mit Musik von Kurt Weill und unter Mitarbeit von Elisabeth Hauptmann. Kaum ein anderes Stück verbindet auf so eindringliche Weise Unterhaltung, Musik und scharfe Gesellschaftskritik. In der Inszenierung des Freien Landestheaters Bayern entfaltet dieses Werk erneut seine provokante Kraft und zeigt, wie aktuell Brechts Analyse menschlicher und gesellschaftlicher Mechanismen bis heute geblieben ist.

Entstanden ist Die Dreigroschenoper im Jahr 1928 als Bearbeitung der barocken „Beggar’s Opera“ von John Gay. Brecht und Hauptmann überführten die ursprüngliche Handlung in einen modernen Kontext und schufen ein Werk, das bewusst mit den Konventionen des traditionellen Theaters bricht. Statt emotionaler Identifikation steht die kritische Distanz im Vordergrund. Das Publikum soll nicht mitleiden, sondern nachdenken. Diese Haltung macht das Stück zu einem frühen und bis heute zentralen Beispiel des epischen Theaters.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der charmante wie skrupellose Gangster Macheath, genannt Mackie Messer. Als Anführer einer Londoner Gaunerbande bewegt er sich selbstbewusst zwischen Unterwelt und bürgerlicher Gesellschaft. Um ihn herum agieren Figuren, die allesamt von Eigeninteresse und Profitdenken geleitet werden: der Bettlerkönig Peachum, der Armut organisiert und vermarktet, dessen Tochter Polly, die Mackie heiratet, sowie der korrupte Polizeichef Tiger Brown, der Gesetz und Freundschaft geschickt miteinander verbindet. Die Grenzen zwischen Kriminalität und bürgerlicher Ordnung verschwimmen zunehmend.

Die Dreigroschenoper zeigt eine Welt, in der Moral zur Ware geworden ist. Geschäft und Trieb bestimmen das Handeln der Figuren, soziale Verantwortung spielt kaum eine Rolle. Brecht legt damit die Mechanismen einer Gesellschaft offen, in der Ausbeutung, Anpassung und Doppelmoral zum Alltag gehören. Die berühmte Aussage „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“ bringt diese Sichtweise prägnant auf den Punkt und macht deutlich, wie sehr materielle Not und Machtverhältnisse das menschliche Verhalten beeinflussen.

Einen wesentlichen Anteil am enormen Erfolg des Stücks hat die Musik von Kurt Weill. Mit eingängigen Melodien, jazzigen Anklängen und klaren Rhythmen schuf er Songs, die sich sofort einprägen und dennoch ihre kritische Schärfe behalten. Lieder wie die Moritat von Mackie Messer oder der Kanonensong wurden weit über die Theaterbühne hinaus bekannt und sind bis heute fester Bestandteil der Musikgeschichte. Die Musik verstärkt die Wirkung des Textes, ohne ihn zu sentimental zu machen.

In der Aufführung des Freien Landestheaters Bayern wird Die Dreigroschenoper als lebendiges und zugleich nachdenklich stimmendes Theatererlebnis präsentiert. Sie zeigt, dass Brechts Blick auf gesellschaftliche Strukturen auch fast hundert Jahre nach der Uraufführung nichts von seiner Aktualität verloren hat. Eintrittskarten sind zu Preisen zwischen 33,50 und 37,50 Euro erhältlich, unter anderem bei der Buchhandlung Eselsohr in Marktoberdorf, bei der Allgäuer Zeitung in Kempten, an allen CTS-Eventim-Vorverkaufsstellen, telefonisch unter 0831 206-5555 sowie online über die bekannten Ticketportale.

 

Foto: FLTB

Planet Allgäu empfiehlt diese Veranstaltung:

In einer Zeit, in der soziale Ungleichheit und Korruption weltweit an der Tagesordnung stehen, gewinnt die Dreigroschenoper eine beunruhigende Aktualität. Das Stück stellt die Frage, wie weit Gesellschaften bereit sind, moralische Prinzipien für wirtschaftlichen Vorteil zu opfern. Die Figuren von Brecht agieren in einem Umfeld, das von wirtschaftlichen Interessen und persönlichem Vorteil dominiert wird, was heute mehr denn je an die Herausforderungen erinnert, vor denen moderne Gesellschaften stehen. Die Dreigroschenoper zwingt das Publikum, sich mit der Unvermeidbarkeit von Machtmissbrauch und sozialer Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen und regt dazu an, über die eigenen moralischen Kompromisse nachzudenken.

Diese Inszenierung des Freien Landestheaters Bayern trägt zur wichtigen gesellschaftlichen Debatte bei, indem sie die Zuschauer ermutigt, die Parallelen zwischen Brechts Darstellung der Weimarer Republik und der heutigen Welt zu erkennen. Die Aufführung wird so zu einem Spiegel der Gesellschaft, der die Zuschauer dazu bringt, ihre eigene Rolle in einem System zu hinterfragen, das oft auf Ungleichheit und Ausbeutung basiert. Indem sie die Zuschauer dazu einlädt, sich kritisch mit den dargestellten Themen auseinanderzusetzen, fördert die Aufführung nicht nur das individuelle Nachdenken, sondern trägt auch zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts bei, indem sie kollektive Reflexion und Diskussion anregt.

 
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Ort:
MODEON, Marktoberdorf
Eintritt:
33,50 bis 37, 50 Euro